Gazenergie

«Das Jahr 2019 stand ganz im Zeichen der Klimadebatte»

Zürich, 10.01.2020

Zum Jahresabschluss hat die Nachrichtenplattform energate Führungspersönlichkeiten aus der Energiebranche um ein Fazit gebeten. Lesen Sie hier den Beitrag von VSG-Direktorin Daniela Decurtins.

«Das Jahr 2019 stand ganz im Zeichen der Klimadebatte. Es besteht mittlerweile ein Grundkonsens, dass die Energieversorgung langfristig klimaneutral gestaltet werden soll. Die ehrgeizigen Ziele haben in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft ein Momentum für Wasserstoff geschaffen. In diesem Thema ist weltweit eine unglaubliche Dynamik entstanden. Japan plant die Olympischen Spiele 2020 in Tokyo als Wasserstoff-Games. Deutschland will jährlich 100 Mio. Euro in entsprechende Projekte stecken. Auch Erdgasproduzenten investieren massiv in Technologien, wie etwa der Abspaltung des CO2 und deren unterirdische Lagerung in ausgeförderten Gasfeldern. Russland forscht an der Abspaltung des Karbons mittels Pyrolyse. Auch in den Opec-Staaten werden derzeit Milliarden in Solarenergie investiert, den sie als grünen Wasserstoff exportieren möchten, weil sie sonst aus dem Markt katapultiert werden. Wasserstoff erhält auch deshalb viel Auftrieb, weil sich die Erdgasinfrastruktur weiter nutzen lässt und weniger in den Aufbau neuer Infrastrukturen sowie den Ausbau von Stromübertragungs- und verteilnetze investiert werden muss. Das macht den Umbau wirtschaftlich tragfähiger. Daran arbeitet derzeit auch die Schweizer Gasbranche.

Nur in Bern ist das Thema noch nicht angekommen. Das hat mit dem vorherrschenden Elektrifizierungsfokus zu tun. Wie die Versorgungssicherheit im Winter aber langfristig gesichert werden kann, wird unterschätzt. Die zunehmende Elektrifizierung in unserem Alltag mit Wärmepumpen und Elektrofahrzeugen bietet zweifellos viele Vorteile. Sie allein löst jedoch unsere Energieprobleme nicht, da wir im Winter von Stromimporten aus unseren Nachbarländern abhängen. Dabei handelt es sich zum einen zu einem gewissen Teil um schmutzigen Kohlestrom, zum anderen benötigen Deutschland und Frankreich ihren Winterstrom zunehmend selbst, wenn sie aus der Kern- und Kohleenergie aussteigen. Wir müssen weiter daran arbeiten, die Bereiche Strom, Wärme und Verkehr intelligent miteinander zu verknüpfen. So ergeben sich neue Möglichkeiten, erneuerbare Energie zu fördern und den CO2-Ausstoss zu senken. Gerade auch mit Wasserstoff. Die Gaswirtschaft hat sich im vergangenen Jahr stark dafür eingesetzt, Lösungsansätze aufzuzeigen und Technologien wie die Wärme-Kraft-Kopplung und Power-to-Gas voranzutreiben. Dass die Gasversorger einen wichtigen Beitrag leisten können für den Klimaschutz, ist noch nicht überall durchgedrungen und so muss auch im neuen Jahr viel Überzeugungsarbeit geleistet werden. Gute Lösungen setzen sich längerfristig immer durch, und einfache Lösungen bezüglich der Gestaltung einer klimaneutralen, sicheren und wirtschaftlichen Energieversorgung gibt es nicht.»