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Zuger Strafgericht verurteilt Paar wegen Mordversuchs

Zürich, 12.12.2017

 

Das Zuger Strafgericht hat am Dienstag eine 39-jährige Frau und einen 46-jährigen Mann wegen versuchten Mordes am Ehemann der Frau verurteilt. Es verhängte Freiheitsstrafen von 11 Jahren beziehungsweise 13 Jahren und sieben Monaten. Die Urteile sind noch nicht rechtskräftig.

Im Visier hatten die beiden Beschuldigten den Ehemann der Frau, den sie mit Medikamenten-Überdosen töten wollten. Per Zufall flog der Plan auf, der Mann überlebte.

Wie die Gerichtspräsidentin am Dienstag bekannt gab, ist er jedoch am vergangenen Samstag 51-jährig verstorben. Die genaue Todesursache werde abgeklärt. Auf das vorliegende Verfahren habe der Tod keinen Einfluss.

Auch wenn beide Beschuldigten jegliche Tötungsabsichten abstritten, war das Gericht von ihrer Schuld überzeugt. Es stützte sich auf zahlreiche Indizien - vorab tausende Kurznachrichten, in denen sich die beiden im Laufe der Jahre 2015/16 detailliert über ihre Pläne, den Mann aus dem Weg zu schaffen, unterhielten.

Die Behauptung der Beschuldigten, die Chats seien niemals ernst gemeint, sondern reine Fantasiegebilde gewesen, wies das Gericht als völlig unglaubhaft zurück.

Völlig "irrelevant für das Urteil" sei im Übrigen, ob die beiden ein sexuelles Verhältnis gehabt hätten, wie der Staatsanwalt angab, oder nicht, wie sie selbst versicherten.

Vom Gericht direkt ins Gefängnis

Das Gericht verurteilte die Frau zu elf Jahren Freiheitsentzug. Die schwierige Situation mit dem alkoholkranken Mann wertete es strafmindernd. Die Rumänin befindet sich seit Februar 2017 in Haft. Das Gericht ordnete wegen Fluchtgefahr Verlängerung der Sicherheitshaft an.

Den Mann sprachen die Richter neben versuchten Mordes auch wegen anderen Delikten schuldig. Zusätzlich zur Freiheitsstrafe von 13 Jahren und sieben Monaten erhielt er eine bedingte Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu 30 Franken sowie eine Busse von 300 Franken.

Damit er sich angesichts des hohen Strafmasses nicht absetzt, wurde auch gegen den Schweizer Sicherheitshaft angeordnet. Nach einer kurzen Besprechung mit seinem Anwalt wurde er von Polizisten abgeführt.

Urteile werden weitergezogen

Sein Anwalt meldete bereits im Gerichtssaal Berufung an. Auch der Verteidiger der Frau sagte auf Anfrage, das Urteil werde mit Sicherheit ans Zuger Obergericht weitergezogen. Beide Verteidiger hatten in der Hauptverhandlung von Mitte November Freisprüche mangels Beweisen gefordert.

Der Staatsanwalt zeigte sich sehr zufrieden mit den Urteilen. Die Beschuldigten seien antragsgemäss schuldig gesprochen worden. Mit dem Strafmass sei das Gericht sogar noch über die Anträge der Anklage von je zehn Jahren hinausgegangen.

Während der Urteilseröffnung schluchzte die Frau leise vor sich hin. Der Mann nahm das richterliche Verdikt mit aufmerksamem Interesse, aber äusserlich unbewegt auf.

Skrupellos und heimtückisch

Laut Gerichtspräsidentin wiegt das Verschulden beider Beschuldigten schwer. Sie seien skrupellos und heimtückisch vorgegangen. Mit ihrem hartnäckigen Verfolgen des Tötungsplans hätten sie beide eine grosse kriminelle Energie bewiesen.

Monatelang mischte die Frau ihrem Mann hohe Dosen eines vom Beschuldigten beschafften Schmerzmittels in seine Drinks. Die beiden hofften, dass die Überdosen zum Tod des von Alkohol- und Medikamentenkonsum ohnehin gesundheitlich angeschlagenen Ehemanns führen würde. Dies war laut Gericht klar ein Mordversuch, wenn auch ein untauglicher.

Die Frau habe ihren Mann töten wollen, weil sie befürchtet habe, er gebe zu viel Geld aus, so dass "für sie nichts mehr übrigbleibt". Zudem habe sie beabsichtigt, nach seinem Tod die Wohnung für eine halbe Million Franken zu verkaufen. Was der genaue Beweggrund des Mannes war, sei nicht ganz klar geworden.

Zweifellos sei er aber als treibende Kraft "mit beherrschendem Einfluss" hinter dem Tötungsplan gestanden. Er habe der Frau Anweisungen über Art, Dosis und Häufigkeit der Medikamente gegeben. Sie sei die Ausführende gewesen, welche ihrerseits tatkräftig die beabsichtigte Tötung vorantrieb.