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Wirtschaft - Montag, 18. Dezember 2017

Zürich, 18.12.2017

 

HÖHERE LÖHNE GEFORDERT: (Bern) Die Gewerkschaft Travail.Suisse ist unzufrieden mit den Lohnverhandlungen 2018. Sie fordert eine stärkere Beteiligung der Arbeitnehmer am wirtschaftlichen Aufschwung. Die Lohnerhöhungen von lediglich 0,5 bis 1 Prozent zusätzlich zu einigen Nullrunden bei einem erwarteten Wirtschaftswachstum von 2,4 Prozent seien ungenügend, kritisierte Travail.Suisse in Bern. "Wir halten an unserem im August angekündigten Ziel einer Lohnerhöhung von 2 Prozent fest", sagte Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik bei Travail.Suisse. Nach einer längeren Periode mit praktisch Nullteuerung habe die Inflation im Jahresverlauf 2017 angezogen und werde für das gesamte Jahr bei etwa 0,5 Prozent zu liegen kommen. Gleichzeitig seien die Krankenkassenprämien stark gestiegen. Die meisten Arbeitnehmenden würden somit trotz Lohnerhöhungen real nicht mehr Geld im Portemonnaie haben, beanstandet die Gewerkschaft.

VINCENZ TRITT ZURÜCK: (St. Gallen) Der ehemalige Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz tritt als Verwaltungsratspräsident bei Helvetia zurück. Grund ist das laufende Verfahren der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (Finma) gegen ihn. Vincenz habe den Verwaltungsrat informiert, dass er per sofort aus de Gremium zurücktrete, teilte die Versicherung mit. In den letzten Tagen sei klar geworden, dass sich das Verfahren nicht beschleunigen lasse und damit bis zur kommenden Generalversammlung von Helvetia im April 2018 nicht abgeschlossen sein werde, liess sich Vincenz zitieren. Die Finma leitete das Verfahren gegen Vincenz Anfang November wegen Interessenskonflikten bei der Raiffeisen Gruppe ein.

PROGNOSEN ANGEHOBEN: (Zürich) Konjunkturexperten sagen für 2018 mehr Aufwind für die Schweizer Wirtschaft voraus. Die von der Kof im Dezember befragten Ökonomen rechnen mit einem Zuwachs der Wirtschaftsleistung im kommenden Jahr von 1,9 Prozent. Im letzten Quartal gingen sie noch von 1,7 Prozent aus. Sie erwarten insbesondere mehr Wachstum bei den Anlageinvestitionen und den Exporten, wie die Konjunkturforschungsstelle Kof der ETH Zürich mitteilte. Für das laufende Jahr hingegen revidierten die Ökonomen ihre Prognose nach unten. Sie rechnen neu mit einem Zuwachs von 1,1 Prozent statt 1,3 Prozent. Für die Konsensprognosen befragte die Kof im Dezember 20 Ökonomen.

BZ BANK VERDOPPELT GEWINN: (Wilen SZ) Die von Martin Ebner gegründete BZ Bank hat im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Jahresgewinn von 32,2 Millionen Franken erzielt. Das ist knapp doppelt soviel wie im Vorjahr. Der Erfolg aus dem Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft erhöhte sich von 21,6 Millionen Franken auf 38,0 Millionen Franken. Im Handelsgeschäft verbesserte sich das Ergebnis von 2,4 Millionen Franken auf 6,2 Millionen Franken. Im Zinsengeschäft schrieb die BZ Bank wegen der Negativzinsen der Schweizerischen Nationalbank wie schon im Vorjahr einen Verlust. Der Depotwert der Kundenvermögen stieg von 12,2 Milliarden Franken auf 14,6 Milliarden Franken.

ÜBERNAHMEVERHANDLUNGEN: (Genf) Givaudan will den französischen Parfümkompositeur Expressions Parfumèes übernehmen. Der Aromen- und Riechstoffkonzern hat dafür exklusive Verhandlungen aufgenommen. Expressions Parfumèes habe 2016 einen Umsatz von rund 56,6 Millionen Euro erzielt, schreibt Givaudan. Givaudan erwartet, die Übernahme in der ersten Jahreshälfte 2018 abschliessen zu können. Finanzielle Bedingungen der Übernahme werden nicht offengelegt. Expressions Parfumées beschäftigt weltweit 200 Mitarbeiter.

NACHHOLBEDARF BEI RAV: (Bern) Die arbeitsmarktlichen Massnahmen der Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (Rav) nützen den Stellensuchenden noch zu wenig: In einer Umfrage beurteilte rund jeder vierte Stellensuchende die besuchten Kurse, Praktika oder Beschäftigungsprogramme als wenig nützlich. Auf der anderen Seite gaben 39 Prozent den Massnahmen sehr gute und weitere 20 Prozent gute Noten. Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) verspricht Besserung: Derzeit liefe ein Pilotprojekt für einen zielgerichteteren und wirksameren Einsatz der arbeitsmarktlichen Massnahmen. Insgesamt zeigte sich eine grosse Mehrheit von knapp 80 Prozent mit den Dienstleistungen der Rav zufrieden.

GAV IM CARROSSERIEGEWERBE: (Zofingen) Die rund 4500 Beschäftigten in der Schweizer Carrosseriebranche haben einen neuen Gesamtarbeitsvertrag (GAV). Neu kann jeder Betrieb in Absprache mit dem Personal selbst zwischen weniger Wochenarbeitszeit oder mehr Ferien wählen. Bei einer 41-Stunden-Woche hat ein Arbeitnehmer Anrecht auf vier Wochen Ferien im Jahr. Bei einer 42-Stunden-Woche fallen fünf Wochen Ferien an. Zudem haben die Arbeitnehmer Anspruch auf zwei statt bisher einen bezahlten Arbeitstag für die Weiterbildung. Weiter soll ein Model ausgearbeitet werden, das einen flexiblen Altersrücktritt ermöglicht.

ZWANGSABFINDUNG: (Basel) Die Dekotierung der Syngenta-Papiere von der Schweizer Börse rückt näher. Das Appellationsgericht Basel-Stadt habe sämtliche im Publikum verbliebenen Namenaktien der Gesellschaft für kraftlos erklärt, teilt Syngenta mit. Die betroffenen Aktionäre erhalten eine Abfindung von 465 Dollar. So viel hatte der chinesische Konzern ChemChina mit seinem öffentlichen Kaufangebot für die Aktien des Agrochemie-Konzerns geboten. Syngenta wurde in der ersten Jahreshälfte vom chinesischen Staatsbetrieb ChemChina übernommen. Ende Oktober hatte die SIX die Dekotierung unter dem Vorbehalt dieses Gerichtsentscheids genehmigt.

EXPORTE ZIEHEN AN: (Tokio) Die japanischen Exporte sind im November überraschend kräftig gestiegen. Wie das Finanzministerium des Landes mitteilte, betrug das Plus gegenüber dem Vorjahr 16,2 Prozent. Vor allem die Nachfrage aus China und anderen asiatischen Staaten sei gross gewesen. Ökonomen hatten nur mit einem Zuwachs von 14,6 Prozent gerechnet, nachdem die japanischen Ausfuhren im Oktober um 14,0 Prozent angezogen hatten. Die Importe legten im November um 17,2 Prozent zu - etwas weniger als von den Experten erwartet.

GUTE CHANCE FÜR NIKI: (Frankfurt) Der Niki-Insolvenzverwalter ist optimistisch, dass die Rettung der österreichischen Fluglinie gelingen kann. "Ich schliesse aus der grossen Nachfrage im Investorenprozess, dass die Chance für eine Rettung von Niki gut ist – trotz des grossen Zeitdrucks", sagte Lucas Flöther der "Süddeutschen Zeitung". Es gebe ein enormes Interesse. Der Zeitplan sei allerdings eng. Nach Firmengründer Niki Lauda, dem Reiseveranstalter Thomas Cook und dem Billigflieger Ryanair warf ein Bieterkonsortium um den Berliner Logistiker Zeitfracht und die Wartungsfirma Nayak am Wochenende den Hut in den Ring. Niki hatte Insolvenz anmelden müssen, weil die Lufthansa ihre Offerte für die Fluglinie wegen wettbewerbsrechtlichen Bedenken der EU-Kommission zurückzog.

AMAZON DROHT MILLIONEN-STRAFE: (Paris) Der US-Versandriese Amazon muss sich in Frankreich wegen unfairer Handelspraktiken verantworten. Das französische Wirtschaftsministerium verlangt eine Strafe in Höhe von rund zehn Millionen Euro und zitierte den Konzern deshalb vor das Pariser Handelsgericht. Das Ministerium wirft Amazon vor, Händler mit illegalen Klauseln unter Druck zu setzen. Amazon wollte sich zu dem Fall nicht äussern. Gemäss Medienberichten schrieb Amazon den Händlern auf seiner Plattform zum Teil willkürlich verkürzte Lieferzeiten vor oder schloss Anbieter-Konten, wenn es zu viele negative Bewertungen gab. In Frankreich wird die Amazon-Seite täglich im Schnitt rund 3,6 Millionen Mal angeklickt.

ÜBERNAHME VON SNACKHERSTELLER: (Camden) Der US-Nahrungsmittelkonzern Campbell Soup will für 4,87 Milliarden Dollar den heimischen Snackhersteller Snyder's-Lance kaufen. Campbell teilte am Montag mit, den Aktionären des Knabberzeug-Herstellers würden 50 Dollar je Aktie in bar angeboten. Mit der Übernahme könnte Campbell seine Snack-Sparte stärken und unabhängiger vom schleppenden Stammgeschäft mit Dosensuppen werden.

HERSHEY MIT MILLIARDENZUKAUF: (New York) Der US-Schokoladenhersteller Hershey stärkt sein Snackgeschäft mit einem Milliardenzukauf. Für 1,6 Milliarden Dollar übernimmt Hershey den Popcorn-Hersteller Amplify Snack Brands, wie der Konzern mitteilte. Amplify ist bekannt für Marken wie SkinnyPop Popcorn und Tyrrell`s Kartoffelchips, die nach Herstellerangaben ohne künstliche Inhaltsstoffe und Transfette auskommen. Hershey selbst hatte im vergangenen Jahr eine 23 Milliarden Dollar schwere Übernahmeofferte vom Milka-Hersteller Mondelez zurückgewiesen.

US-TEEGESCHÄFT VERKAUFT: (Vevey) Der Nahrungsmittelriese Nestle drückt bei der Bereinigung seines Portfolios von wenig rentablen Geschäftsbereichen aufs Tempo. Die US-Tochter Nestle Waters North America verkauft die Teemarken Sweet Leaf Tea und Tradewinds an die Beteiligungsgesellschaft Fireman Capital Partners und an den Getränkehersteller Dunn's River Brand. Die Transaktion solle noch vor Jahresende abgeschlossen werden, wie die Käufer mitteilten. Angaben zum Preis wurden keine gemacht. Die Zürcher Kantonalbank (ZKB) schätzt den Verkaufspreis auf rund 100 bis 200 Millionen Franken. Nestle hatte die beiden Marken 2011 nach Angaben der ZKB für rund 100 Millionen Franken übernommen. Die Transaktion sei sehr klein.

IKEA-STEUERN IM VISIER: (Brüssel) Nach einer Reihe von US-Konzernen nimmt die EU-Kommission auch das schwedische Möbelhaus Ikea wegen möglicherweise unzulässiger Praktiken zur Steuervermeidung in den Niederlanden ins Visier. Eine eingehende Prüfung wegen fragwürdiger Steuerregelungen werde eingeleitet, teilte die EU-Kommission mit. Das Geschäft von Ikea ist als Franchisemodell organisiert. Alle Ikea-Shops weltweit zahlen eine Franchisegebühr an eine in den Niederlanden ansässige Tochterfirma mit dem Namen Inter Ikea Systems. Die Wettbewerbshüter haben nun Bedenken, dass diese Firma in den Niederlanden von unzulässigen Steuervorteilen profitiert habe.

STREIKS ABGESAGT: (Dublin/Berlin) Gewerkschaften in Irland und Portugal haben ihre Streiks nach den jüngsten Zugeständnissen des Billigfliegers Ryanair abgesagt. Sie hatten für Mittwoch mit 24-stündigen Arbeitsniederlegungen gedroht, was die Airline vor Weihnachten stark getroffen hätte. Die irische Gewerkschaft Impact teilte mit, das Ryanair-Management nun am Dienstag zu treffen und auf eine gute Beziehung zum Unternehmen zu hoffen. Zuletzt waren bereits Streikpläne in Italien wieder zurückgenommen worden. Hintergrund ist, dass Ryanair im Streit mit seinen Piloten einlenkte und erstmals Gewerkschaften in der 32-jährigen Firmengeschichte zulässt.

ROHSTOFFPREISE STEIGEN: (Hamburg) Die gute Weltkonjunktur hat die Preise für Rohstoffe in diesem Jahr in die Höhe getrieben. Nach dem Rohstoffindex des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI) verteuerten sich vor allem Energie wie Öl und Gas sowie Rohstoffe, die von der Industrie für die Fertigung benötigt werden wie etwa Metalle. Damit steigen nicht nur die Preise für Benzin und Diesel an der Tankstelle sowie Heizöl. Tendenziell werden auch Industriegüter eher teurer, wobei die Rohstoffkosten hier meist keine dominierende Rolle gegenüber anderen Kosten spielen. Die gute Nachricht für die Konsumenten: Die Preise für Agrargüter sind stabil geblieben, teilweise gesunken. Die Ernten waren gut.

BITCOIN IM HÖHENFLUG: (New York/Frankfurt) Der Preis für die Kryptowährung Bitcoin kletterte am Wochenende an einigen Handelsplätzen zeitweise über 20'000 Dollar. Am Montag notierte er knapp darunter. Getrieben wird die immer weiter steigende Nachfrage von einem weiteren Future auf die Cyberwährung, mit dem sie leichter handelbar wird. Seit Sonntag können Investoren den Bitcoin-Terminkontrakt der renommierten Derivatebörse CME handeln. Damit kommt innerhalb einer Woche ein zweites solches Finanzprodukt an den Markt. Börsianer erwarten, dass sich dadurch die bislang völlig unregulierte, virtuelle Währung weiter etabliert.

MEHR PREISAUFTRIEB: (Brüssel) Trotz massiver Geldspritzen der EZB bleibt die Inflation in der Eurozone weiter deutlich unter dem Zielwert der Währungshüter. Die Konsumentenpreise legten im November um 1,5 Prozent zum Vorjahresmonat zu, wie das Statistikamt Eurostat auf Basis endgültiger Daten mitteilte. Im Oktober lag die Teuerung bei 1,4 Prozent. Die Europäische Zentralbank (EZB) strebt einen Wert von knapp zwei Prozent an, der als ideal für die Konjunktur gilt. Sie wird ihren eigenen Ökonomen zufolge das Inflationsziel auch in den kommenden Jahren trotz verbesserter Wirtschaft verfehlen. Die Ökonomen der EZB veranschlagen für 2020 eine Teuerungsrate von 1,7 Prozent.

KONJUNKTUR BELEBT SICH: (Dubai) Der Internationale Währungsfonds (IWF) bescheinigt dem Iran eine wirtschaftliche Erholung, sieht aber Reformbedarf bei den Banken. "Das Wachstum beginnt sich auf den Bereich ausserhalb der Ölbranche auszudehnen", sagte IWF-Expertin Catriona Purfield Das Bruttoinlandprodukt könne in diesem Jahr um 4,2 Prozent zulegen. Danach seien Werte von 4,5 Prozent drin. Zuletzt hatte es sogar zweistellige Wachstumsraten gegeben, was aber vorrangig mit steigenden Ölpreisen zu tun hatte. Angesichts der Spannungen im Verhältnis zu den USA und der gestiegenen Anfälligkeit des iranischen Bankensystems mahnt der IWF Reformen an.

HUTMACHER PLEITE: (Mailand) Die berühmte italienische Hutmacherfirma Borsalino ist pleite. 160 Jahre nach der Gründung erklärte das zuständige Gericht im norditalienischen Alessandria am Montag die Insolvenz und ernannte zwei Sachwalter für das Traditionsunternehmen. Der Vertreter der Gewerkschaft UIL, Elio Bricola, sagte der französischen Nachrichtenagentur AFP, es sei nicht ausgeschlossen, dass die Produktion vorerst weitergehe. Doch die rund 120 Beschäftigten seien wütend und hätten Angst um ihre Zukunft. Die Filzhüte von Borsalino sind seit Jahrzehnten Kult: Humphrey Bogart trug einen in "Casablanca", Harrison Ford hatte als Indiana Jones einen auf dem Kopf und auch Michael Jackson und David Bowie liebten sie.