Gazenergie

Versicherungskonzerne werden als Klimasünder kritisiert

Zürich, 21.06.2017

 

Die Schweizer Versicherer sollen Milliarden in Firmen und Projekte investiert haben, die fossile Brennstoffe fördern. Gemäss einer Studie der niederländischen Beratungsfirma Profundo steuern sie zudem zum Klimawandel bei, indem sie fossile Brennstoffprojekte versichern.

Nachdem bereits die Banken für ihre Investitionen in die Kohleförderung kritisiert worden sind, sind nun die Versicherungskonzerne dran. Die Beratungsfirma Profundo hat am Mittwoch in Zürich eine Studie über das negative Klimaengagement der grössten europäischen Versicherer und Rückversicherer vorgestellt.

Die Zurich-Versicherung und der Rückversicherer Swiss Re sind mit 3,7 Milliarden respektive 2,6 Milliarden Dollar in Obligationen und Aktien von Unternehmen investiert, die Kohle und fossile Brennstoffe fördern, wie Studienmitautor Joeri de Wilde von Profundo vor den Medien sagte.

Er zeigte sich überrascht, dass beide Unternehmen in Firmen wie Duke Energy und Rio Tinto investiert seien, die der Norwegische Staatsfond wegen ihrer Klimasünden von seinem Portfolio öffentlich ausgeschlossen habe.

Vorwürfe zurückgewiesen

Der Zurich-Sprecher Frank Keidel distanzierte sich von den Vorwürfen: Die Zurich Insurance Group konzentriere sich auf verantwortliche Investitionen mit positiven Auswirkungen auf Gesellschaft und Umwelt. Sie sei zudem nur minimal im Kohlesektor investiert.

Die Zurich schliesse aber nicht systematisch Anlagen oder Branchen aus, sagte Keidel weiter. Vielmehr würde sie zum Beispiel externe Anlageverwalter zu nachhaltigen Investitionen schulen.

Auch Swiss-Re-Sprecherin Stefanie Weitz betonte, Swiss Re berücksichtige stringente Nachhaltigkeitsaspekte bei den Investitionsprozessen. Seit Oktober werde zudem nicht mehr in Unternehmen investiert, die einen substanziellen Teil ihrer Einnahmen mit thermischer Kohle erwirtschafteten.

Mangelnde Transparenz

Das gesamte Anlageportfolio von Swiss Re belaufe sich auf 135 Milliarden Dollar, die Zahl aus der Studie könne nicht bestätigt werden, führte die Swiss-Re-Sprecherin aus.

Die Profundo-Studie nennt die Allianz Versicherung als grössten fossilen Investor Europas - mit Investitionen in der Höhe von 59 Milliarden Dollar. Auf der Liste der Grossinvestoren befindet sich auch der in Zürich domizilierte Versicherungskonzern Chubb, ehemals ACE Limited, mit 5,3 Milliarden Dollar. Von Chubb war am Mittwoch keine Stellungnahme erhältlich.

Ökonom de Wilde kritisierte weiter, dass die Firmen ihre fossilen Investitionen nicht transparent machten. Gemäss den Profundo-Berechnungen sind die 15 untersuchten Unternehmen insgesamt mit 131 Milliarden Dollar in Aktien, Obligationen und andere Anlagen von Unternehmen und Fonds investiert, die den CO2-Ausstoss förderten.

Vom Profundo-Ökonomen untersucht wurden neben Investitionen auch die Versicherung und Rückversicherung von fossilen Brennstoffprojekten. So sei Swiss Re über Swiss Re Corporate Solution sehr stark beteiligt bei Rückversicherungen für die Konstruktion und den Betrieb von Öl-, Gas-, Minen- und Petrochemieprojekten, so de Wilde.

Die Zurich wiederum sei sehr engagiert beim Underwriting von onshore und offshore Energie-Unternehmen und sei der wichtigste Versicherer im nordamerikanischen Energiesektor.

Tropfen auf den heissen Stein

Sowohl Zurich als auch Swiss Re betonen, dass auch für das Underwriting strikte Nachhaltigkeitskriterien angewendet würden. "Swiss Re unterstützt beispielsweise keine Off-Shore-Ölbohrungen in der Arktis", erklärte Weitz.

Swiss Re fördere die weltweite Reduktion von Treibhausgasemissionen sowie den Übergang zu einer kohlestoffarmen Umwelt mit Anlagen in erneuerbare Energien und Green Bonds. Zurich wiederum hat bisher laut Keidel knapp 2 Milliarden Dollar in Green Bonds investiert.

An der Studienpräsentation war auch Greenpeace-Finanzexpertin, Katja Nitikenko. Sie betonte: "Indem sie fossile Brennstoffe versichern, steuern diese Versicherer zum Klimawandel bei, dabei sollten sie uns vor dessen finanziellen Risiken schützen."

Die Versicherer seien profunde Kenner der Klimarisiken und betätigten sich auch an der Bekämpfung der Klimaerwärmung, räumte de Wilde ein. Aber wenn etwa Swiss Re in den grünen Bondmarkt investiere, sei das ein Tropfen auf den heissen Stein.

Im Hauptgeschäft von fossilien Brennstoffen distanziert, hat sich laut de Wilde unter den grossen Versicherern nur Axa. Axa gab bekannt, dass sie künftig keine Unternehmen mehr versichere, die einen Teil ihres Umsatzes mit Kohle erwirtschafteten. Laut de Wilde sollten die anderen Versicherer diesem Beispiel folgen.