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Umweltorganisationen fordern verbindliche Klimaziele für Banken

Zürich, 09.11.2020

 

Umweltorganisationen sind enttäuscht von den Ergebnissen des Klimaverträglichkeitstests und fordern konkrete Klimaziele für den Finanzsektor. Die Bankiervereinigung (SBVg) betont, dass sie klar hinter dem Pariser Klimaabkommen steht. Erwartungsgemäss sei man aber noch lange nicht dort, wo man sein sollte und hin wolle.

Die aktuelle Auswertung des Klimaverträglichkeitstests liefere notwendige Erkenntnisse und sei damit eine solide Ausgangsbasis, um den Handlungsbedarf zu definieren und Massnahmen anzupassen, heisst es in einer Reaktion der SBVg. Jetzt gelte es gemeinsam von Seiten der Banken, der Realwirtschaft, der Konsumenten, der Behörden und der Verbände Verbesserungen einzuleiten.

Umweltorganisationen üben Kritik: Für Greenpeace zeigt der Test, dass Schweizer Banken und Versicherungen die Erderwärmung weiter massiv anfeuern. Jetzt seien gesetzliche Hebel unumgänglich. "Wer weiter wirtschaftet wie bisher, begeht ein Verbrechen an unseren Nachfahren", schreibt Greenpeace in einer Mitteilung.

Freiwillig reduzierten die Schweizer Finanzakteure die Emissionen ihrer Geschäfte kaum. Die Politik müsse den Finanzinstituten einen verbindlichen Weg weisen, wie ihre Finanzflüsse klimaverträglich ausgerichtet werden könnten, so Greenpeace. Banken und Versicherungen müssten sich verbindliche Klimaziele setzen. Und die Erreichung dieser Ziele müsse von unabhängiger Stelle überprüft werden.

Finanzsektor als zentraler Hebel

Der WWF bekräftigt, dass der Finanzsektor ein zentraler Hebel im Kampf gegen die Klimakrise sei. Der Bericht zeige klar die grosse Diskrepanz zwischen den Ankündigungen des Finanzsektors und tatsächlich umgesetzten Massnahmen.

Es sei nicht akzeptabel, dass Banken, Versicherungen , Pensionskassen und Vermögensverwalter ihre Verantwortung in dieser Krise nicht wahrnähmen. Auch die Politik sei gefordert. Sie müsse nun rasch eine politische Einordnung der Testresultate vornehmen und nötige Massnahmen treffen.

Alarmiert von den Ergebnissen des Klimaverträglichkeitstests zeigt sich auf die Bewegung Klimastreik. Punkto Klimakrise sei der Handlungsbedarf für den Finanzplatz gross. Selbstregulation werde alleine nicht ausreichen, um klimaneutral zu werden. Es sei an der Zeit, dass das Parlament, die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht und die Schweizerische Nationalbank klare Massnahmen zur Verbesserung der Klimaverträglichkeit beschlössen.

Die Bewegung Klimastreik plädiert zudem für eine Veröffentlichung der individuellen Resultate der getesteten Finanzinstitute. Es sei auch ein Recht von Bankkundinnen und -kunden zu wissen, wie mit ihrem Geld gearbeitet werde.

Von einer Bestätigung des Versagens der aktuellen Politik des Bundesrates, die auf freiwilligen Massnahmen basiere, spricht die Klima-Allianz Schweiz. Banken dürften keinen Firmen Geld geben, die besonders schädliche fossile Brennstoffe herstellten oder verbrennen würden. Bestimmungen der EU zum verbesserten Management von klimabedingten Finanzrisiken und zur Umlenkung der Finanzflüsse sollten sofort und vollständig ins Schweizer Recht übernommen werden.

Forderung nach Transparenz

Sechs Nationalrätinnen und Nationalräte aus allen Bundeshausparteien forderten ihrerseits in einem offenen Brief die Finanzinstitute auf, ihre individuellen Resultate aus dem Klimaverträglichkeitstest zu veröffentlichen. Die Testresultate seien mit grosser Spannung erwartet worden und dürften die politische Rolle des Schweizer Finanzplatzes bei der Erreichung der Pariser Klimaziele bis auf weiteres massgeblich prägen, heisst es in dem Brief.