Gazenergie

Türkische Justiz nimmt weitere Verdächtige in Zarrab-Affäre fest

Zürich, 05.12.2017

 

In der Türkei sind 14 weitere Verdächtige aus dem Umfeld des Geschäftsmanns Reza Zarrab festgenommen worden. Damit wurden insgesamt 17 Personen im Zuge der Ermittlungen gegen den türkisch-iranischen Goldhändler in Gewahrsam genommen.

Zarrab steht derzeit vor einem US-Gericht als Zeuge der Anklage. Dabei hat er die türkische Führung schwer belastet. Die türkische Justiz eröffnete kurz nach Beginn des Prozesses ein Verfahren gegen Zarrab wegen "Spionage" und beschlagnahmte sein gesamtes Vermögen in der Türkei.

Der 34-Jährige wird verdächtigt, über Jahre im Auftrag Teherans grosse Mengen Gold in den Iran gebracht haben, um iranische Gas- und Öllieferungen zu bezahlen. Die US-Justiz sieht darin einen Verstoss gegen US-Finanzsanktionen.

Die türkische Führung soll von den umstrittenen Geschäften nicht nur gewusst, sondern auch von ihnen profitiert haben. Vor Gericht sagte Zarrab aus, er habe 2012 dem damaligen türkischen Wirtschaftsminister Zafer Caglayan Millionen Dollar als Beteiligung an seinen Geschäften gezahlt. Zudem sagte er, der damalige Regierungschef und heutige Präsident Recep Tayyip Erdogan sei voll über die Geschäfte informiert gewesen.

"Komplott gegen die Türkei"

Bereits vor einigen Tagen wurden drei Verdächtige unter dem Vorwurf festgenommen, illegal Dokumente an die US-Justiz gegeben zu haben. Sie sollen zur verbotenen Bewegung des islamischen Predigers Fethullah Gülen gehören, die für den Putschversuch von Juli 2016 verantwortlich gemacht wird. Ankara wirft der Gülen-Bewegung auch vor, den US-Prozess inszeniert zu haben, um Erdogan zu stürzen.

Erdogan erneuerte am Dienstag seine Kritik an dem Verfahren. Der Prozess sei ein "Komplott gegen die Türkei" und habe "nichts mit Recht, Gerechtigkeit oder Handel" zu tun, sagte er in einer Rede.

In dem Prozess sind mehrere Vertreter der halbstaatlichen Halkbank angeklagt, über die Zarrab seine Geschäfte abgewickelt haben soll. Im Fall eines Schuldspruchs droht dem Geldinstitut eine hohe Geldstrafe wegen Sanktionsverstössen.