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Tschechiens Präsident Zeman und Herausforderer Drahos in Stichwahl

Zürich, 14.01.2018

 

Bei der Präsidentenwahl in Tschechien hat Amtsinhaber Milos Zeman am Wochenende die erste Runde klar gewonnen, die absolute Mehrheit aber wie erwartet verfehlt. Der Rechtspopulist muss sich deshalb in einer Stichwahl in zwei Wochen dem Proeuropäer Jiri Drahos stellen.

Zeman kam nach Angaben der Statistikbehörde auf knapp 39 Prozent der Stimmen, Drahos auf gut 26 Prozent. Laut Umfragen könnte der Chemieprofessor Drahos den 73 Jahre alten Amtsinhaber in der Stichwahl schlagen.

Die anderen sieben Mitbewerber lagen nach der zweitägigen ersten Wahlrunde bei zehn oder weniger Prozent der Stimmen. Die Wahlbeteiligung lag ähnlich wie bei der Präsidentenwahl 2013 bei gut 60 Prozent, wie die Nachrichtenagentur CTK meldete.

Am 26. und 27. Januar findet die Stichwahl statt. Der tschechische Präsident repräsentiert das Land im Ausland, ernennt die Verfassungsrichter und spielt eine Rolle bei der Regierungsbildung.

Freund Moskaus und Pekings

Der ehemalige Kommunist Zeman setzt sich für gute Beziehungen zu Moskau und Peking ein. Zudem lehnt er die Aufnahme muslimischer Flüchtlinge ab. In der Vergangenheit sprach der 73-Jährige von einer "organisierten Invasion" und sagte, es sei "unmöglich, Muslime zu integrieren". Seit 2013 steht er an der Spitze des tschechischen Staates und punktet vor allem bei der ländlichen Bevölkerung.

Der Ex-Kommunist war nach 1989 Chef der Sozialdemokratischen Partei, Parlamentspräsident und Regierungschef. Obwohl er mit dem Versprechen antrat, die Benachteiligten zu vertreten, unterstützt er offen Milliardär Andrej Babis, den er im Dezember trotz Betrugsvorwürfen zum Regierungschef ernannt hatte. Babis muss sich am Dienstag im tschechischen Parlament einer Vertrauensabstimmung stellen, die er voraussichtlich verlieren wird.

Drahos vertritt im Vergleich zu Zeman deutlich liberalere, proeuropäische Positionen. Er setzt sich für eine stärkere Rolle Tschechiens in der EU sowie für eine Einführung des Euro ein. Der ehemalige Präsident der Akademie der Wissenschaften, dem seine Gegner mangelnde politische Erfahrung vorwerfen, ist 68 Jahre alt.

Die Anhänger von Drahos finden sich unter proeuropäischen Wählern und der Stadtbevölkerung. Der weisshaarige Brillenträger strahlt Kultiviertheit aus; sein Auftreten steht in radikalem Gegensatz zu dem des derzeitigen Amtsinhabers. Laut einer aktuellen Umfrage des tschechischen Fernsehens könnte Drahos Zeman in der Stichwahl mit 48,5 zu 44 Prozent schlagen.

Unterlegene unterstützen Drahos

Zeman gab sich dennoch siegessicher. Bei der Wahl 2013 habe er in der ersten Runde 24 Prozent der Stimmen erhalten und die anschliessende Stichwahl für sich entschieden, sagte der Staatschef am Samstag vor Parteianhängern in Prag. Diesmal komme er schon im ersten Wahlgang auf fast 40 Prozent.

Drahos sagte, er hoffe auf die Stimmen all derer, "die nicht für Milos Zeman votiert haben". Die in der ersten Runde unterlegenen Kandidaten Pavel Fischer, Marek Hilser und Michal Horacek bekundeten bereits ihre Unterstützung für den parteilosen Chemieprofessor. Bei Zeman habe er eine "gewisse Müdigkeit" festgestellt, sagte Drahos. Der am Stock gehende schwere Raucher hatte vor der ersten Runde eine Teilnahme an TV-Debatten abgelehnt.

Nun ging Zeman aber auf eine Aufforderung seines Konkurrenten zu einem TV-Duell ein: "Ich hatte noch nie Angst, an einer Debatte teilzunehmen, ich bin immer noch jung und immer noch voller Energie, und jede Debatte macht mir Spass", sagte er am Samstag vor Journalisten.

Für Wirbel sorgte am ersten Wahltag am Freitag ein Zwischenfall bei Zemans Stimmabgabe. Kurz nachdem der Präsident das Wahllokal betreten hatte, stürzte eine ukrainische Femen-Aktivistin mit nacktem Oberkörper auf Zeman zu und beschimpfte ihn mehrmals als "Putins Nutte", bevor sie von seinen Leibwächtern überwältigt wurde.