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Tagesüberblick - Dienstag, 3. November 2020

Zürich, 03.11.2020

 

BANKEN: Die Covid-19-Pandemie erhöht auch in der Schweiz das Insolvenzrisiko. Um möglichst viele Unternehmenskonkurse zu vermeiden, rät die Bankiervereinigung unter anderem zu Stillhalteabkommen. Das würde gefährdeten Unternehmen Luft für eine Sanierung verschaffen. Die meisten Unternehmen in der Schweiz haben bei verschiedenen Banken Kredite ausstehend. Geraten diese Firmen wegen der Coronakrise in einen finanziellen Engpass, könnte dies unter den Gläubigerbanken einen Wettlauf in der Sicherung ihrer Ausstände auslösen. Ein solches "Rat-Race" würde die Gesellschaft dann definitiv in den Konkurs treiben.

IMMOBILIEN: Die zweite Coronawelle hat dem Run auf Wohneigentum in der Schweiz weiteren Schub verliehen. Die Angebotspreise haben im Oktober weiter zugelegt. Bei den Angebotsmieten zeigt sich im Jahresvergleich ebenfalls ein Anstieg. Besonders Stockwerkeigentum scheint derzeit begehrt bei Kaufinteressenten: Per Ende Oktober wurden Eigentumswohnungen zu 0,8 Prozent höheren Preisen ausgeschrieben als im Vormonat. Für Einfamilienhäuser wurden 0,1 Prozent weniger verlangt.

INFLATION: Die Inflation in der Schweiz liegt weiterhin deutlich im negativen Bereich. Im Oktober waren die Konsumentenpreise gegenüber dem Vormonat stabil. Die Jahresteuerung steht damit bei -0,6 Prozent. Konkret verharrte der Landesindex der Konsumentenpreise (LIK) im Oktober 2020 auf 101,2 Punkten. Innert eines Jahres sank das Preisniveau damit um 0,6 Prozent. Im Vormonat September hatte dieser Wert, der als Inflation bezeichnet wird, bei -0,8 Prozent gelegen. Ökonomen hatten die Inflation in diesem Bereich erwartet.

AUTOABSATZ: Der Autobranche in der Schweiz weht weiterhin der konjunkturelle Gegenwind aufgrund der unsicheren Lage um Corona entgegen. Der Berichtsmonat war der schlechteste Oktober am Schweizer Automarkt seit 2005. Gefragt waren hingegen weiterhin Fahrzeuge mit alternativen Antrieben. Im Oktober wurden mit knapp 21'000 Inverkehrssetzungen beinahe 20 Prozent weniger Personenwagen immatrikuliert als im Vorjahresmonat. Der grosse Rückgang ist zwar auch im Zusammenhang mit dem sehr starken Vorjahr zu sehen, dennoch ist es der schlechteste zehnte Kalendermonat seit 2005. Seit Juni lagen die monatlichen Minusraten im Bereich von gut 11 bis etwas über 16 Prozent.

BANKEN: Bankangestellte sollen für ihren Einsatz während der Coronakrise entschädigt werden. Nebst einer Lohnerhöhung von 1,8 Prozent sollten eine Sonderprämie von 900 Franken bezahlt werden, fordert der Schweizerische Bankpersonalverband (SBPV) mit Blick auf die laufenden Lohnverhandlungen. Die Bankangestellten seien in der Schweiz seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie stark beschäftigt. So galt es etwa, den Service der Geldinstitute während der Krise aufrechtzuerhalten, coronabedingte Abwesenheiten von Kollegen aufzufangen oder tausende Anträge für die vom Bund garantierten Covid-19-Kredite abzuarbeiten.

ARBEITSVERMITTLUNG: Adecco hat auch im dritten Quartal die Folgen der Coronakrise zu spüren bekommen. Allerdings fiel der Rückgang nicht mehr gar so stark aus wie im Frühling auf dem Höhepunkt der Krise und auch nicht so stark, wie es Experten erwartet hatten. Der Umsatz nahm um 18 Prozent auf 4,84 Milliarden Euro ab. Im zweiten Quartal hatte es noch einen Rücksetzer von 28 Prozent gegeben.

DETAILHANDEL: Der Reisedetaihändler Dufry hat im dritten Quartal stark unter der Coronakrise gelitten. Denn wenn nur wenige Flieger landen und starten, kann Dufry nichts an Zigaretten, Parfüms oder Schnaps verdienen. In den ersten neun Monaten 2020 sanken die Verkäufe um 65 Prozent auf 2,07 Milliarden Franken. Allein zwischen Juli und September brachen die Geschäfte um rund 80 Prozent ein. Analysten hatten nicht ganz so tiefe Zahlen erwartet.

MASCHINENINDUSTRIE: Der Industriekonzern Oerlikon hat im dritten Quartal 2020 die Krise bei den Flugzeugbauern und in der Automobilindustrie weiter zu spüren bekommen. Bei der Profitabilität hat sich das Unternehmen jedoch klar gesteigert. Insgesamt sank der Umsatz gegenüber dem Vorjahresquartal um 6,4 Prozent auf 593 Millionen Franken. Der Betriebsgewinn auf Stufe EBITDA lag derweil mit 92 Millionen um rund 8,1 Prozent über dem Vorjahreswert. Damit hat Oerlikon die Erwartungen der Analysten deutlich übertroffen.

NAHRUNGSMITTEL: Der Backwarenkonzern Aryzta kommt nicht zur Ruhe. Grossaktionäre verlangen nun die Abwahl diverser Verwaltungsräte. Der spanische Grossaktionär Cobas beantragt an der kommenden ordentlichen Generalversammlung vom 15. Dezember die Abwahl der Verwaltungsräte Mike Andres, Greg Flack, Jim Leighton und Tim Lodge. Unterstützt wird der Antrag vom Investor Lodbrok Capital.

DETAILHANDEL: Die Migros beerdigt die Marke LeShop. Der Internetladen wird in die migroseigene Onlinewelt integriert: Auf der Webseite werden die Nutzer von LeShop auf Migros Online umgeleitet. Damit hat der "orange Riese" Dienstag den vor Monaten angekündigten Wechsel vollzogen. Die Marke LeShop wird nicht weitergeführt und geht in migros.ch auf. Die Adressen und die App bleiben vorerst aber noch erreichbar.

FINANZDIENSTLEISTUNGEN: Der Online-Bezahldienst Paypal profitiert in der Coronavirus-Krise weiter vom Trend zum Einkaufen im Internet. Im dritten Quartal stieg der Nettogewinn verglichen mit dem Vorjahreswert um 121 Prozent auf 1,0 Milliarden Dollar. Die Erlöse nahmen um ein Viertel auf 5,5 Milliarden Dollar zu. Das gesamte abgewickelte Zahlungsvolumen erhöhte sich um 36 Prozent auf knapp 247 Milliarden Dollar.

ÖL: Aufgrund niedrigerer Rohölpreise und geringerer Absatzmengen infolge der Corona-Pandemie hat der weltgrösste Ölkonzern Saudi Aramco im dritten Quartal einen Gewinneinbruch verzeichnet. Der Nettogewinn schrumpfte um 44,6 Prozent auf 44,21 Milliarden Rial (10,8 Mrd Franken). Grund seien auch niedrigere Margen im Raffinerie- und Chemiebereich, teilte Saudi Aramco mit. "Wir haben wegen der höheren Wirtschaftsaktivität erste Anzeichen einer Erholung im dritten Quartal gesehen, trotz des Gegenwinds, dem die globalen Energiemärkte ausgesetzt sind", sagte Saudi-Aramco-Chef Amin Nasser.

CHEMIE: Milliardenschwere Abschreibungen im Agrargeschäft haben Bayer im dritten Quartal einen Verlust eingebrockt. Unter dem Strich schrieb der Pharma- und Agrarchemiekonzern ein Minus von 2,74 Milliarden Euro nach einem Gewinn von 1,036 Milliarden vor Jahresfrist. Der bereinigte Betriebsgewinn (Ebitda) fiel um mehr als 21 Prozent auf 1,795 Milliarden Euro. Dabei wirken sich auch negative Währungseffekte belastend aus. Der Umsatz sank um 13,5 Prozent auf 8,5 Milliarden Euro.