Gazenergie

Schweizer Klimaforscher enttäuscht über Trumps Entscheid

Zürich, 02.06.2017

 

Schweizer Wissenschafter äussern sich befremdet über den Ausstieg der USA aus dem Pariser Abkommen. Der Berner Klimaforscher Thomas Stocker spricht von einem "Akt globaler Verantwortungslosigkeit".

Es sei ein "schwarzer Tag für den Planeten", dass sich nur 15 Monate nach der Vereinbarung von Paris eine der beiden wichtigsten Nationen aus diesem "historischen Agreement" verabschiede, sagte Stocker am Freitag gegenüber der Nachrichtenagentur sda.

Werte, für die die USA im Klimaschutz und im Schutz der Natur gestanden seien, würden nun nicht mehr geteilt. Stocker ist Professor für Klima- und Umweltphysik an der Universität Bern. Im Weltklimarat IPCC war er massgeblich an der Erarbeitung der wissenschaftlichen Grundlagen für das Pariser Abkommen beteiligt.

Andreas Fischlin, Systemökologe an der ETH Zürich und wie Stocker IPCC-Autor, zeigte sich ebenfalls "sehr enttäuscht" über den Entscheid des US-Präsidenten. "Man kann nur den Kopf schütteln, dass man so ignorant sein kann", meinte der Professor unter dem Hinweis auf den breiten wissenschaftlichen Konsens in Klimafragen.

Dass Trump glaubt, einen besseren "Deal" für die USA aushandeln zu können, hält Fischlin für "völligen Unsinn". Wenig tröstlich finden beide Wissenschafter, dass der Ausstieg der USA juristisch erst in dreieinhalb Jahren wirksam wird. Mit seinem Entscheid setze Trump schon heute ein Signal für weniger Klimaschutz in seinem Land.

USA schneiden sich ins eigene Fleisch

Dabei schneiden sich die USA nach Ansicht der Schweizer Klimaforscher auch ins eigene Fleisch, wenn sie auf das "sinkende Schiff" (Fischlin) der Kohleindustrie und anderer alter Technologien setzen. "America behind" statt "America first" gelte nun im Bereich der erneuerbaren Energien für US-Konzerne, sagte Stocker.

Hoffnungen hat der Berner Klimaexperte insofern, dass die Anstrengungen für den Klimaschutz zumindest auf Ebene der amerikanischen Bundesstaaten und der grossen Städte weitergehen. Wichtig sei auch eine "starke Allianz" der europäischen Staaten und anderer Länder wie China, die ihre Verantwortung erkannt hätten.

Gemäss Fischlin duldet es für die Erreichung des Klimaziels keinen Aufschub. Ob die Erderwärmung auf unter zwei Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit beschränkt werden kann, entscheide sich in den nächsten vier bis acht Jahren. Dabei werde das Risiko immer grösser, dass diese Grenze überschritten wird. "Jede weitere Erwärmung, die wir zulassen, ist unumkehrbar, wenn man nicht CO2 in grossem Stil wieder aus Atmosphäre herausnehmen kann."

Schweiz gefordert

Kritik an Trumps Entscheid kam am Freitag auch aus dem Beratungsorgan des Bundes für Fragen der Klimaänderung, dem OcCC, dem Stocker ebenfalls angehört. Präsidentin Kathy Riklin (CVP/ZH) sprach von einem "verheerenden Signal."

Die Experten des OcCC sehen aber auch Chancen für "vorausschauende Nationen, ihre Führungsrolle wahrzunehmen oder auszubauen", wie David Bresch, Professor am Departement für Umweltwissenschaften der ETH Zürich, in einer Mitteilung zitiert wird.

Rolf Weingartner, Hydrologe an der Uni Bern, sieht vor allem die Schweiz gefordert: "Jammern bringt nun gar nichts." Die Schweizer Politik müsse jetzt mutig sein bei der Bekämpfung des Klimawandels und "endlich Nägel mit Köpfen" machen.