Gazenergie

Schächte leiten mehr Pestizide in die Umwelt als angenommen

Zürich, 03.11.2020

 

Wissenschaftler des Wasserforschungsinstituts Eawag haben herausgefunden, dass viel mehr Pestizide über Schächte und andere künstliche Entwässerungssysteme direkt in Bäche fliessen als bisher angenommen. Das Team untersuchte zwanzig Einzugsgebiete im Mittelland und Jura.

Viele Strassenschächte in der Schweiz sind nicht an eine Kläranlage angeschlossen sondern führen direkt in ein Gewässer. Über solche von Fachleuten genannten hydraulischen Kurzschlüsse gelangen achtlos weggeschüttete Flüssigkeiten, Gülle oder Pestizide in die Umwelt.

Die Eawag-Forschenden suchten nun mit Drohnenaufnahmen, Plänen und Begehungen im Mittelland und Jura nach solchen Kurzschlüssen. Demnach gelangt Wasser von den untersuchten, mit Gewässer verbundenen Ackerflächen im Mittel zu 55 Prozent ungereinigt in die Bäche, wie die Forschenden in der Fachzeitschrift "Aqua & Gas" berichten.

Regen erhöht Pestizidbelastung

Der Bodenhydrologe Christian Stamm schliesst gemäss einer Mitteilung der Eawag daraus, dass die Bäche so erheblich mit Pflanzenschutzmitteln belastet werden. Dies umso mehr als bei Regen viel mehr Pestizide von Strassen und Wegen geschwemmt werden dürften als bislang angenommen.

So zeigten Wasserproben aus näher untersuchten Einlaufschächten, dass die Pestizidkonzentrationen stark anstiegen, wenn es regnete. Das Wasser aus den Schächten müsse bis um das 50-Fache verdünnt werden, um Wasserorganismen nicht zu gefährden.

Das Team empfiehlt, die hydraulischen Kurzschlüsse künftig bei Massnahmen zur Reduktion der Pestizideinträge in Gewässer besser zu berücksichtigen.