Gazenergie

Radon erhöht laut Basler Studie Risiko für Hautkrebs

Zürich, 16.06.2017

 

Radon gilt nach dem Rauchen als wichtigste Ursache für Lungenkrebs. Eine neue Studie von Basler Forschern zeigt nun auf, dass das natürliche radioaktive Gas in den eigenen vier Wänden auch das Risiko erhöht, an bösartigem Hautkrebs zu erkranken.

Durchgeführt wurde die Studie vom Schweizerischen Tropen- und Public-Health-Institut (Swiss TPH) in Basel. Dieses untersuchte die Auswirkungen der Radon- und UV-Belastung auf die Sterblichkeitsrate durch bösartigen Hautkrebs in der Schweiz, wie Swiss TPH am Freitag mitteilte.

Die Basler Forscher haben herausgefunden, dass radioaktive Alphapartikel beim Zerfall von Radon neben dem Lungengewebe auch die Haut beschädigen können. Dies sei bisher kaum untersucht worden, hält Martin Röösli, Professor für Umweltepidemiologie am Swiss TPH, in der Mitteilung fest.

1900 Todesfälle ausgewertet

Röösli hat die Studie zusammen mit Danielle Viennau verfasst, die als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Tropeninstitut tätig ist. Ausgewertet wurden 1900 Todesfälle wegen malignen Melanomen, die zwischen 2000 und 2008 bei Personen über 20 Jahren landesweit aufgetreten sind.

Für diese Todesfälle wurde die häusliche Radonbelastung errechnet. Grundlage dafür bildeten rund 45'000 Messungen des Bundesamts für Gesundheit (BAG), bei denen neben der Gebäudecharakteristik auch die geologischen Gegebenheiten an der Wohnlage berücksichtigt wurden.

Grössere Gefahr für junge Menschen

Die Studie hat ergeben, dass die Radonbelastung insbesondere für junge Menschen eine Gefahr darstellt. Bei den 30-Jährigen erhöhe sich das relative Hautkrebsrisiko um rund 100 Becquerel pro Kubikmeter Zunahme der Radonbelastung, bei den 60-Jährigen nur um 16 Prozent, heisst es im Communiqué. "Je jünger die Person, desto grösser der Einfluss von Radon auf das Erkrankungsrisiko", folgert Röösli.

Die Studie wurde nun in der Fachzeitschrift "Environmental Health Perspectives" veröffentlicht. Sie ist laut dem Swiss-TPH-Professor insofern eine Besonderheit, als eine Längsschnittuntersuchung in der gesamten Bevölkerung vorgenommen und für jeden einzelnen Haushalt die Auswirkung des Radons modelliert wurden.

Die Schweiz weist gemäss Swiss TPH weltweit die dritthöchste Erkrankungsrate für bösartigen Hautkrebs auf. Gleichzeitig ist die Schweiz laut dem BAG von diesem Gas, das durch undichte Stellen ins Hausinnere eindringen kann, aus geologischen Gründen besonders betroffen. Mit geeigneter Bauweise könne jedoch die Radonbelastung in den eigenen vier Wänden stark gesenkt werden, hält das Tropeninstitut fest.

Tiefere Referenzwerte ab 2018

Um der Radonproblematik Herr zu werden, hat der Bundesrat im April den Referenzwert für Radon in Wohn- und Aufenthaltsräumen per 1. Januar 2018 gesenkt. Bisher waren 1000 Becquerel pro Kubikmeter zulässig, künftig sind es nur noch noch 300.

Der künftige Referenzwert wird nach Schätzungen des Bundes in 50'000 bis 100'000 Wohngebäuden überschritten. Eine Sanierung kostet mehrere tausend Franken. Auch bei Neubauten muss aufgrund der neuen Auflagen mit Mehrkosten gerechnet werden.