Gazenergie

Erneuerbares Gas dank Einzellern

Zürich, 12.12.2019

Im Frühjahr 2019 wurde in Zuchwil (SO) auf dem Areal des Hybridwerks der Regio Energie Solothurn eine Forschungsanlage zum Power-to-Gas-Verfahren in Betrieb genommen. Die Anlage, in der die biologische Methanisierung von Wasserstoff erprobt wird, ist Teil des europäischen Forschungsprojekts STORE&GO. Inzwischen liegen erste Erkenntnisse vor.

Im Rahmen von Horizon 2020, dem Forschungs- und Innovationsprogramm der EU, wurde 2016 das internationale Projekt STORE&GO lanciert. 27 Projektpartner aus sechs europäischen Ländern haben sich das Ziel gesetzt, die Power-to-Gas-Technologie zu weiterzuentwickeln. Im Zentrum steht die Frage, wie das Verfahren für die grosstechnische Nutzung verbessert werden kann. Mit Power-to-Gas lässt sich nicht genutzter erneuerbarer Strom in Gas umwandeln und saisonal speichern. Das hilft, im Winter die Versorgung mit erneuerbaren Energien zu verbessern. 

Während in anderen Forschungsprojekten von STORE&GO in Europa chemische Verfahren entwickelt werden, erfolgt das Power-to-Gas-Verfahren in Zuchwil über eine biologische Methanisierung: Archaeen, einzellige Organismen, verwandeln Wasserstoff, der aus dem Hybridwerk bezogen wird, in Methan. Dazu benötigen die Archaeen neben dem Wasserstoff auch CO2. Dieses wird über eine Leitung aus einer nahegelegenen Abwasserreinigungsanlage zugeführt. Das so produzierte Methan verfügt über die gleiche chemische Zusammensetzung wie Erdgas und kann deshalb unbegrenzt ins Gasnetz eingespeist werden. 

Die von Electrochaea, einem auf dem Gebiet der Power-to-Gas-Technologie tätigen Unternehmen, entwickelte Archaeen-Technologie wird bereits seit 2016 erfolgreich in einer dänischen Anlage eingesetzt. Neben Electrochaea und der Regio Energie Solothurn sind an der Forschungsanlage in Zuchwil eine Reihe namhafter Hochschulen und Forschungsinstitute beteiligt, so die Hochschule für Technik Rapperswil, die Ecole polytechnique fédérale Lausanne (EPFL), die Eidgenössische Materialprüfungs-und Forschungsanstalt (EMPA) und der Schweizer Verband des Gas-und Wasserfachs (SVGW).

An einer Veranstaltung im Hybridwerk wurden erste Erkenntnisse aus dem Projekt präsentiert. «Die biologische Methanisierung mit Archaeen konnte erfolgreich demonstriert werden», lautete die Bilanz von Projektleiter Andrew Lochbrunner. So gelang es, biologisches Methan ins Gasnetz einzuspeisen. Was den kommerziellen Einsatz von Power-to-Gas betrifft, forderte Jachin Gorre, Projektleiter Power-to-Gas an der Hochschule für Technik Rapperswil, bessere politische Rahmenbedingungen. Diese seien im Moment noch nicht bereit für eine Markteinführung. Aufgrund seiner Analysen zeigte er sich jedoch optimistisch, dass Power-to-Gas schon in naher Zukunft wirtschaftlich betrieben werden könne. Dass die Rahmenbedingungen für Power-to-Gas verbessert werden müssten, forderte auch Daniela Decurtins, Direktorin des Verbands der Schweizerischen Gasindustrie VSG. Power-to-Gas sei eine vielversprechende Technologie, die zur Dekarbonisierung der Energieversorgung und zur Erreichung der Klimaziele beitrage.

Projekt STORE&GO

Hybridwerk Regio Energie Solothurn 

Forschungsanlage auf dem Areal des Hybridwerks in Zuchwil (SO): Archaeen verwandeln Wasserstoff in biologisches Methan.