Gazenergie

Macrons Gipfel soll die Finanzierung gegen Klimawandel voranbringen

Zürich, 10.12.2017

 

Gerade erst ist die Klimakonferenz in Bonn zu Ende gegangen, schon lädt Frankreichs Präsident Emmanuel Macron zum Klimagipfel nach Paris. Im Zentrum des Treffens vom Dienstag steht die Frage, wie mehr Geld in Klimaschutz und grüne Technologien gelenkt werden kann.

Das Treffen mit rund 50 Staats- und Regierungschefs, darunter Bundespräsidentin Doris Leuthard, findet in einem futuristischen Kulturzentrum auf einer Seine-Insel westlich von Paris statt. Das Treffen zwei Jahre nach Verabschiedung des Pariser Klima-Abkommens nennt sich "One Planet Summit".

Der Anlass bietet Macron erneut Gelegenheit, sich wieder in einer internationalen Führungsrolle zu inszenieren. Und es sollen auch konkrete Lösungen angestrebt werden, wie der Élyséepalast versichert. Erwartet werden Ankündigungen etwa von öffentlichen Entwicklungsbanken, Unternehmen und anderen Akteuren, wie sie zum Klimaschutz beitragen wollen.

Der Zeitdruck sei so gross wie nie. Damit verweist Macrons Medienstelle auf die weiterhin ungenügenden Leistungen der Staatengemeinschaft, die Erderwärmung bis 2100 auf unter zwei Grad zu halten. Die bisherigen Zusagen zur Senkung der Treibhausgase reichen gemäss Schätzungen nicht aus, die im Pariser Klimaabkommen angestrebten Ziele zu erreichen.

Viel mehr Geld für fossile Energien

Beim Gipfel in Paris soll es aber nicht um Verhandlungen zur Umsetzung des Klimaabkommens gehen.Der von der Uno und der Weltbank mitorganisierte Gipfel soll eher denjenigen ein Forum bieten, die voranschreiten wollen, inklusive nicht-staatlicher Akteure.

Der "Klimafinanzierungsgipfel" in Paris solle mehr Unterstützung zusagen, erhofft sich etwa der Chef der deutschen Umweltschutzorganisation Germanwatch, Klaus Milke. Allerdings machte der Élyséepalast deutlich, dass das Pariser Treffen keine Geberkonferenz werde.

Im Fokus stehen vielmehr Bemühungen, bei der Verteilung privater und öffentlicher Investitionsmittel den Klimaschutz stärker zu berücksichtigen. Nach einem Bericht der Organisation Oil Change International stecken internationale Entwicklungsbanken und öffentliche Finanzierungs-Institutionen der G20-Länder viermal so viel Geld in fossile Energien wie in grüne Alternativen.

Nicht noch mehr Gruppenfotos

Die Umweltschutzorganisation WWF erwartet vom Gipfel bei Paris konkrete Schritte zu einer klimafreundlichen Ausrichtung des Finanzsektors. Auch sollten weitere Gelder für den Klimaschutz und die Anpassung an die Folgen des Klimawandels mobilisiert werden, sagt WWF-Klimachef Michael Schäfer.

Greenpeace-Experte Karsten Smid warnt allerdings vor zu viel Schaufenster-Politik ohne Verbindlichkeit: "Klimaschutz braucht kein weiteres Gruppenfoto, sondern mutige Massnahmen", sagte er.

Macron müsse die Teilnehmer des Spitzentreffens zu verbindlichen Schritten beim Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas bewegen. Andererseits dürfe Frankreich sich aber nicht weiter auf "riskante Scheinlösungen wie Atomenergie" verlassen. Das Land hatte jüngst die geplante Reduzierung seines Atom-Anteils an der Stromproduktion verschoben.

Macrons Führungsrolle wird verstärkt durch die Abwesenheit der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel. Sie steckt mitten in den Abklärungen für eine Erneuerung einer grossen Koalition mit der SPD. Auch die Sozialdemokraten tun sich aber schwer mit dem Kohleausstieg Deutschlands. Das Erreichen der deutschen Klimaziele und das Zurückgewinnen der internationalen Führungsrolle in der Klimapolitik wird damit immer schwieriger.