Gazenergie

Macron-Vertrauter bringt Wirtschaftssanktionen gegen Türkei ins Spiel

Zürich, 15.11.2020

 

Frankreich macht in der EU Druck für einen harten Kurs gegenüber der Türkei und bringt dabei Wirtschaftssanktionen ins Spiel. "Alle Optionen sind auf dem Tisch", sagte Europa-Staatssekretär Clément Beaune am Sonntag den Sendern C-News und Europe 1. Beaune sprach von möglichen Sanktionen, die einzelne Wirtschaftssektoren treffen könnten. Der Vertraute von Staatschef Emmanuel Macron schloss auch nationale Schritte nicht aus. Erst im Sommer hatte Paris seine Militärpräsenz im östlichen Mittelmeer verstärkt. "Falls Massnahmen dieser Art nötig sind, werden wir sie wieder ergreifen", sagte der frühere Europa-Berater des französischen Staatschefs.

Die EU-Staaten hatten erst unlängst gegen die Türkei verhängte Sanktionen wegen Bohrungen zur Erdgaserkundung im östlichen Mittelmeer verlängert. Betroffen sind zwei Führungskräfte des türkischen Energiekonzerns TPAO. Zypern und Griechenland fordern von der EU, schärfer auf von ihnen als illegal erachtete türkische Erdgaseerkundungen im östlichen Mittelmeer zu reagieren.

Macron hat zu seinem türkischen Amtskollegen Recep Tayyip Erdogan ein sehr gespanntes Verhältnis. Erst zu Monatsbeginn warf der 42-Jährige der Türkei in einem Interview mit dem Sender Al-Dschasira "kriegerisches Verhalten" gegenüber ihren Nato-Partnern im Nahen Osten und im Mittelmeerraum vor. Erdogan hatte im Streit um Mohammed-Karikaturen zum Boykott französischer Waren aufgerufen.

Beaune warf der Türkei einen "aggressiven Islamismus" vor, der alle Bereiche umfasse. "Frankreich ist nicht allein gegenüber der Türkei", sagte er mit Blick auf die EU. Der Blick auf die Türkei habe sich geändert, auch in Deutschland.

Im Oktober hatten die 27 EU-Staaten beschlossen, dass spätestens beim Dezember-Gipfel erneut über die Lage im östlichen Mittelmeer gesprochen und entschieden werden solle, wie es weiter geht.