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Griechenland wagt Comeback am Kapitalmarkt

Zürich, 24.07.2017

 

Mehr als sieben Jahre nach dem Kollaps 2010 läuft sich Griechenland für den Ernstfall warm. Wenn 2018 das internationale Hilfsprogramm ausläuft, will das Krisenland wieder auf eigenen Füssen stehen. Dafür soll nun ein erster Test laufen.

Erstmals seit dem Amtsantritt Anfang 2015 wagt Griechenlands Links-Rechts-Regierung unter Alexis Tsipras einen Testlauf für die angestrebte Rückkehr an den freien Kapitalmarkt.

Sie startete eine fünfjährige Staatsanleihe, wie das Finanzministerium am Montag in Athen mitteilte. Es handelt sich um ein sogenanntes Roll-over, mit dem ältere Anleihen aus dem Jahr 2014 abgelöst werden sollen. Die Ergebnisse sollen möglicherweise schon am Dienstag bekanntgegeben werden. Federführend ist ein Konsortium führender internationaler Banken.

Der Marktgang kommt gut drei Jahre nach der erfolgreichen Platzierung von Staatsanleihen im Jahr 2014. Der damaligen konservativen Regierung war es damit - vier Jahre nach dem finanziellen Kollaps im Jahre 2010 - erstmals wieder gelungen, Kapital bei privaten Investoren zu holen. Der Zinssatz betrug damals 4,95 Prozent. Effektiv erhalten die Anleger 4,75 Prozent.

Für Tsipras und seine Regierung ist der Anleiheverkauf ein sehr wichtiger symbolischer Schritt: Solange Athen finanziell noch mit Krediten des bis Sommer 2018 internationalen Hilfsprogramms unterstützt wird, ist es nicht zwingend auf privates Geld angewiesen.

Fortschritte bei Staatsfinanzen

Allerdings wollen die Griechen im nächsten Jahr finanziell wieder auf eigenen Beinen stehen, wozu auch die selbstständige Finanzierung über den freien Kapitalmarkt gehört. Dass dies nicht mehr - oder nur zu unvertretbar hohen Zinsen - möglich war, weil die Investoren das Vertrauen in das Land verloren hatten, stand Anfang 2010 am Beginn es griechischen Schuldendramas.

Ebenfalls am Montag verkündete das Wirtschaftsministerium Fortschritte bei der Sanierung der Staatsfinanzen. Zinslasten herausgerechnet, erzielte der griechische Staat im ersten Halbjahr 2017 einen Überschuss von gut 1,9 Milliarden Euro - deutlich mehr als die 431 Millionen Euro, die die Gläubiger als Ziel gesetzt hatten.

Im Fachjargon heisst dieser - um Zinslasten bereinigte - Wert Primärüberschuss. Welcher Primärüberschuss den Griechen abverlangt werden kann, war lange Zeit ein Zankapfel. Schliesslich hängt davon auch ab, wie viel Energie in das Sparen gesteckt werden muss - und wie viele Mittel zum Beispiel für staatliche Investitionen und damit zur Ankurbelung der Konjunktur zur Verfügung stehen.