Gazenergie

Forschungstag der Schweizer Gaswirtschaft

Zürich, 03.09.2021

«Auf dem Weg zu einer klimaneutralen Gasversorgung» – unter diesem Titel fand an der Ostschweizer Fachhochschule in Rapperswil (SG) der 3. Forschungstag der Gaswirtschaft statt, der vom Verband der Schweizerischen Gasindustrie VSG organisiert wurde. Die Veranstaltung bot die Möglichkeit, sich aus erster Hand zu informieren und Einblick zu erhalten in die Forschungsschwerpunkte der Gasindustrie, wie VSG-Direktorin Daniela Decurtins ausführte. 

In einer Gesprächsrunde mit den Referenten wurde diskutiert, welche Rolle Gas und seine Infrastruktur in einer klimaneutralen Gasversorgung spielen kann. Neben Energieeffizienz, erneuerbaren Gasen und Netzen steht neu auch Wasserstoff im Zentrum der Arbeit des Forschungsfonds der Gaswirtschaft, wie Philippe Dubois, Präsident der Fachkommission technische Koordination, erläuterte. Auf grosses Interesse stiess der Rundgang durch die Power-to-Gas-Anlage, welche die Ostschweizer Fachhochschule in Rapperswil im Rahmen eines Forschungsprojektes zusammen mit der ETH Lausanne (EPFL) realisiert hat. Die Ostschweizer Fachhochschule in Rapperswil als Durchführungsort für den Forschungstag war nicht zufällig gewählt, denn hier werden die Weichen für eine klimaneutrale Gasversorgung gestellt. Im Verbund verschiedenster Forschungsinstitutionen im In- und Ausland werden in Rapperswil Lösungen für den Umbau der Energieversorgung – etwa Power-to-Gas oder Wasserstoffeinspeisung ins Gasnetz – getestet und weiterentwickelt. 

Folgende Projekte wurden am Forschungstag vorgestellt: 

Selbstversorgender Gewerbepark 

Die K3 Immobilien AG und die werke versorgung wallisellen ag konnten 2020 die ertragsreichste Fassaden-Solaranlage Europas in Betrieb nehmen. Zusammen mit einem biogasbetriebenen Blockheizkraftwerk versorgt sich der neue Gewerbepark in Wallisellen (ZH) zum grössten Teil selbst mit Strom. Das wegweisende Energiekonzept hat Signalkraft für die Schweizer Energiewende und wird von der Empa wissenschaftlich begleitet, wie Philipp Heer von der Empa erläuterte. 

Verflüssigtes Biogas für Lastwagen 

Lidl Schweiz und das Logistikunternehmen Krummen Kerzers AG arbeiten zusammen mit der Ostschweizer Fachhochschule an einem Forschungsprojekt, bei dem Lastwagen mit verflüssigtem Biogas (LBG) eingesetzt und getestet werden. Als Demonstrationsprojekt wurde 2019 eine erste Tankstelle mit verflüssigtem Biogas befüllt. Damit konnte gezeigt werden, so Elimar Frank von der Ostschweizer Fachhochschule, dass es bereits heute technisch und logistisch möglich ist, Transporte im Schwerlastverkehr fossilfrei betreiben zu können. 

Kostengünstige Vergärungsanlage  

Beim Projekt MOSTCH4 (Mini Onsite System To valorize manure in methane) geht es darum, eine kostengünstige und leicht ans Gasnetz anschliessbare Vergärungsanlage für die Landwirtschaft zu entwickeln, wie Roger König von der Fachhochschule Südschweiz SUPSI erklärte. Damit sollen die Produktion und Einspeisung von Biogas auch für kleinere Betriebe wirtschaftlich interessant werden. Konkret soll die Biogasausbeute gegenüber heutigen Anlagen um 30 Prozent gesteigert werden. Demnächst wird eine Pilotanlage in Betrieb genommen.  

Power-to-Gas-Anlage  

Im Rahmen eines Forschungsprojekts der Europäischen Union hat die Ostschweizer Fachhochschule in Rapperswil SG zusammen mit der ETH Lausanne (EPFL) eine Power-to-Gas-Anlage gebaut. Mit Unterstützung der Schweizer Gaswirtschaft und anderen Projektpartnern aus Forschung und Wirtschaft soll diese neue Technologie unter industrienahen Bedingungen untersucht werden. Ziel des Projekts HEPP (High Efficiency Power-to-Methane-Pilot) ist es, den Wirkungsgrad und damit die Wirtschaftlichkeit solcher Anlagen zu verbessern, auch im Hinblick auf Anwendungen in der Industrie, erklärte Markus Friedl von der Ostschweizer Fachhochschule.  

Neuartiger Sensor   

Um erneuerbare Gase wie Biogas oder aus Power-to-Gas-Anlagen zu fördern, müssen län-gerfristig viele zusätzliche Einspeisepunkte ins Gasnetz geschaffen werden. Das kann zur Folge haben, dass die Gasqualität und -zusammensetzung bei den einzelnen Einspeisepunkten unterschiedlich ist. Mittels Sensoren kann diese Herausforderung gelöst werden. Ziel des Projektes ist, einen neuen Sensor zu entwickeln, der einerseits für die Gasqualitätskontrolle, andererseits als Steuer- und Regelelement eingesetzt werden kann, so Projektleiter Philippe Prêtre von der Firma Mems AG. Auf diese Weise ist es möglich, die dezentrale Produktion und Einspeisung von erneuerbaren Gasen ins Netz einfacher zu steuern und zu überwachen, ohne dass teure Messapparaturen eingesetzt werden müssen.  

Die Veranstaltung bot einen Einblick in die Forschungsschwerpunkte der Schweizer Gasindustrie.