Gazenergie

Emirate wollen Katar mit neuen Strafen "zur Vernunft bringen"

Zürich, 07.06.2017

 

Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) haben die Isolierung Katars verschärft. Bürger mit katarischem Pass dürften die Emirate weder betreten noch bereisen, erklärte die staatliche Fluggesellschaft Etihad Airways am Mittwoch.

Zudem wurde den Medien des Golfstaates jede Sympathiebekundung für das Nachbarland untersagt. Man hoffe, die Entscheidungsträger in Katar "zur Vernunft bringen zu können", sagte Staatsekretär Anwar Gargasch der Nachrichtenagentur Reuters. Er schloss weitere Schritte nicht aus.

In Regierungskreisen in Katar hiess es, es würden Gespräche mit dem Iran und der Türkei über Wasser- und Lebensmittellieferungen geführt. Das Getreide reiche für mindestens vier Wochen.

Die VAE gehören zu einer Staatengruppe unter der Führung Saudi-Arabiens, die ihre Beziehungen zu Katar gekappt und die Flugverbindungen ausgesetzt haben. Sie werfen dem Golf-Staat vor, Terroristen und den Erzfeind Iran zu unterstützen, was die Regierung in Doha zurückweist.

Der Vorgang ist nicht nur wegen der weltweiten wirtschaftlichen Verflechtungen - auch in der Schweiz - und Energiereserven Katars von Bedeutung. Auf einem Militärstützpunkt sind etwa 8000 US-Soldaten stationiert. Von dort werden auch Luftangriffe auf den IS im Irak und Syrien koordiniert.

Trump bietet sich als Vermittler an

US-Präsident Donald Trump bot sich im Konflikt als Vermittler an. Der Präsident habe dem katarischen Emir Tamim bin Hamad Al Thani in einem Telefonat vorgeschlagen, dabei zu helfen, die Differenzen zwischen den Parteien beizulegen, teilte das Weisse Haus mit. Trump habe auch angeboten, dazu ein Treffen in Washington zu initiieren, falls dies notwendig sein sollte.

Der Präsident habe zudem die Notwendigkeit unterstrichen, dass alle Länder in der Region zusammenarbeiten müssten, um die Finanzierung von Terrororganisationen zu verhindern.

Trump hatte sich in der diplomatischen Krise zuvor eindeutig auf die Seite Saudi-Arabiens gestellt und die Isolation Katars auf seinen Besuch im Nahen Osten zurückgeführt, wo er ein entschiedeneres Vorgehen gegen Terrorismus von arabischen Staaten gefordert hatte.

Der deutsche Aussenminister Sigmar Gabriel betonte das grosse Interesse Deutschlands am Erhalt der Anti-IS-Koalition. "Wir alle sind daran interessiert, dass es zu keinen weiteren Eskalationen kommt", sagte Gabriel nach einem Gespräch mit seinem saudiarabischen Kollegen Adel al-Dschubeir am Mittwoch in Berlin.

Al-Dschubair blieb bei der saudischen Kritik an Katar. "Wir sehen Katar als Bruderstaat, als Partner. Aber auch einem Bruder muss man etwas sagen, wenn etwas richtig oder falsch ist", sagte der Minister. Er hoffe, dass Katar jetzt die "richtigen Schritte ergreifen" werde, um die Krise zu beenden.

Moskau weist Hacking-Vorwurf zurück

Moskau hat am Mittwoch den Vorwurf zurückgewiesen, dass Russen die katarische Nachrichtenagentur gehackt hätten, um damit die Krise auf der arabischen Halbinsel zu provozieren. Er sei es Leid, immer auf solche "Banalitäten" reagieren zu müssen, für die es "keinen Beweis" gebe, sagte Andrej Krutskich, Putins Berater für Cybersicherheit, der Agentur Interfax. Es gebe "null Beweis" für die Vorwürfe.

Der US-Fernsehsender CNN hatte am Dienstag unter Berufung auf US-Geheimdienstmitarbeiter berichtet, dass russische Hacker eine "Fake News"-Geschichte bei der staatlichen Nachrichtenagentur Katars platziert hätten. Diese habe Saudi-Arabien und mehrere andere Staaten zum Abbruch der diplomatischen Beziehungen mit Katar veranlasst.

Katar ist stark von Importen abhängig. Aus Regierungskreisen in Doha verlautete, die am Markt verfügbaren Getreidevorräte dürften für vier Wochen reichen. Zudem habe die Regierung grosse Mengen Lebensmittel in Doha gebunkert. "Wir sprechen mit der Türkei und dem Iran und anderen Ländern", sagte ein Insider zu der Versorgungslage. Etwaige Lieferungen würden durch Frachtflüge von Qatar Airways ins Land gebracht.