Gazenergie

"Die Scheiben der Galerie vibrierten": Rekordsturm auf dem Pilatus

Zürich, 03.01.2018

 

Ein Kleinflugzeug auf den Rücken gelegt, zwei Kamine gefällt, eine Stromleitung entzündet und weitere Schäden angerichtet hat der Sturm "Burglind" am Mittwoch in der Zentralschweiz. Menschen blieben weitgehend verschont, einen Rekord gab es auf dem Pilatus.

195 Stundenkilometer zeigte die Messstation auf dem Pilatus: So stark hatte der Wind dort seit Messbeginn 1981 noch nie geblasen. Alex Birrer, technischer Hauswart auf dem Pilatus, war einer der zwei Pikett-Personen, die den Rekordsturm auf dem Berg miterlebten. Im Hotel pfiff es durch die Lüftung, die meterhohen Scheiben der Galerie hätten unter dem Wind vibriert, sagte er.

Doch die Gebäude auf über 2100 Metern über Meer sind für solche Bedingungen gewappnet, Schäden gab es keine. Gäste und Personal gingen bereits im Vorfeld ins Tal. Für Hauswart Birrer eine gute Gelegenheit: "Es gibt Arbeiten drinnen, die gehen besser ohne Gäste, etwa der Transport von grossen Gegenständen." Empfehlenswert sei es, nicht nach draussen zu gehen. Dort sehe man ohnehin vor lauter Schnee nichts.

200 Stundenkilometer in Uri

Noch eine Prise schneller als auf dem Pilatus blies der Sturm laut dem Wetterdienst Meteonews auf dem Gütsch im Kanton Uri, nämlich satte 200 Stundenkilometer. 154 waren es auf dem Titlis, 143 auf dem Napf. Auf Rigi Klösterli geriet wegen des Sturms eine Starkstromleitung in Brand, zwei weitere Stromleitungen wurden aufgrund geknickter Masten beschädigt.

Im ganzen Kanton Schwyz meldete die Kantonspolizei 170 Einsätze, über 400 Notrufe waren eingegangen. Bäume knickten um, Häuser verloren ihre Ziegel, Trampoline flogen von dannen. In allen Fällen blieb es bei Sachschaden, verletzt wurde niemand.

Leicht verletzt wurden zwei Personen, als der Sturm im Kanton Luzern wütete. Eine Frau in einem Auto erlitt Schnittwunden im Gesicht, als die Frontscheibe barst, eine Passantin wurde durch herunterfallende Gegenstände getroffen. 270 Schadensmeldungen gingen zwischen 08.46 und 15.45 Uhr ein. In Emmen blies der Wind einen Anhänger und in Eschenbach einen Lieferwagen um.

3 bis 4 Millionen Franken Schäden in Luzern

Sturmschäden entstanden im ganzen Kanton, besonders betroffen waren die Gebiete Ruswil, Wolhusen und Entlebuch, wie die Luzerner Gebäudeversicherung mitteilte. Sie schätzt die Schadenssumme auf 3 bis 4 Millionen Franken.

Die stürmischen Winde führten zu Schäden an mehreren Freileitungen der CKW. Stromausfällen erdulden mussten rund 6000 Kunden in den Regionen Entlebuch und Luzerner Hinterland. Am späten Nachmittag waren noch einzelne Gebiete im Entlebuch von der Störung betroffen.

Über hundert Notrufe gingen auch bei der Kantonspolizei Nidwalden ein. Umgefallene Bäume blockierten Strassen, Dächer wurden abgedeckt, wodurch Wasser in die Häuser eintrat. Beim Flugplatz Buochs NW wurde ein Zelt beschädigt, bei Ennetbürgen wehten Sturmwinde ein abgestelltes Kleinflugzeug um.

In Obwalden gingen rund 150 Schadensmeldungen ein. Mehrere Strassen waren wegen geknickter Bäume über Stunden gesperrt. In Alpnachstad kippte ein Baum auf ein Hausdach, auf der Brünigstrasse kam ein Auto unter einen Baum. Verletzt wurde auch hier niemand.

Strassen und Schienen betroffen

Auch der Strassen-, Schienen- und Bergbahn-Verkehr litt unter dem Wind. Bei der Zahnradbahn Arth Goldau - Rigi Kulm wurde die Fahrleitung beschädigt, der Betrieb der Luftseilbahnen vom Kräbel und von Weggis auf die Rigi wurde eingestellt. In Engelberg OW blieben wegen der Winde sämtliche Bergbahnen geschlossen. Keinen Skibetrieb gab es auch auf der Melchsee-Frutt OW.

Die Busse der Verkehrsbetriebe Luzern verzeichnete Kursausfälle. Zwischen Giswil und Interlaken fielen zudem Züge aus, zwischen Stans und Dallenwil war die Strecke für den Bahnverkehr nur beschränkt befahrbar. Störungen gab es auch auf den Bahnstrecken zwischen Gettnau und Zell, zwischen Emmenbrücke und Sursee und zwischen Arth-Goldau und Biberbrugg.

Die Galerie der Axenstrasse wurde aufgrund eines Steinschlags beschädigt, es müssen zwei Betonelemente ersetzt werden. Die Strasse bleibt für unbestimmte Zeit gesperrt.