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Corona-Pandemie verschärft Risiken im Finanzsektor

Zürich, 11.11.2020

 

Die Corona-Pandemie verschärft bestehende Risiken im Finanzsektor zusätzlich. Zusätzlich erhöhen sich wegen Corona die Risiken von Unternehmenskrediten und -anleihen, insbesondere im Ausland.

Dies stellte die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (Finma) in ihrem zum zweiten Mal publizierten "Risikomonitor" fest, der am Mittwoch veröffentlicht wurde. Wie bereits im letztjährigen Bericht zählt die Finma das anhaltende Niedrigzinsumfeld sowie die Gefahr einer Korrektur am Immobilien- und Hypothekarmarkt zu den Hauptrisiken für den Schweizer Finanzsektor.

Dazu kommen weiterhin auch die "Cyberrisiken" aus IT-Störungen und -Ausfällen, der absehbaren Wegfall der Libor-Referenzzinsätze, die Gefahren aus Geldwäscherei und der Marktzugang in ausländische Märkte.

Gefahren bei Unternehmensanleihen

Neu nimmt die Finma nun die Gefahr von Ausfällen oder Korrekturen bei Unternehmenskrediten und -anleihen in ihren "Risikomonitor" auf. Die weltweite Rezession und der Lockdown hätten zu teilweise "massiven Umsatz- und Gewinneinbrüchen bei vielen Unternehmen" geführt - so im Energiesektor oder bei Flug- und Tourismusunternehmen, erinnert die Finma. Da der Einbruch in der Schweiz im Verhältnis zu anderen Ländern weniger stark ausgeprägt sei, stünden aber besonders ausländische Kredite und Anleihen im Zentrum.

Weiterhin beeinflussen aber auch die anhaltend tiefen Zinsen die Profitabilität der Banken und Versicherer negativ, stellt die Finma fest. Die Reaktion auf die Corona-Pandemie habe nun diesen Sachverhalt weiter verschärft.

Verschärft hätten sich auch die Risiken im Schweizer Immobilien- und Hypothekarmarkt, da die Leerstände bei Mietimmobilien noch gestiegen seien. Dazu kommen Ertragsausfälle in der Geschäfts- und Büroflächenvermietung in der Folge der Pandemie. Trotzdem nehmen die Investitionen in Immobilien laut Finma zu, wobei Investoren immer tiefere Anfangsrenditen in Kauf nehmen würden.

Aufsichtsfokus

In ihrem Aufsichtsfokus will die Finma nun mögliche Ausfälle oder Korrekturen von Unternehmensanleihen mit den beaufsichtigten Banken "periodisch erörtern". Bei den Versicherern werde die Behörde erhöhte Kreditrisiken bei der Berechnung der Kapitalanforderungen berücksichtigen.

Derweil bleibe auch die Zinssituation Gegenstand des "Aufsichtsdialogs" mit den beaufsichtigen Instituten ebenso wie der Immobilien- und Hypothekarmarkt. So beobachte die Finma aufgrund der Corona-Pandemie Wertberichtigungen, Abschreibungen und gefährdete Forderungen intensiv.

Big Data-Risiken

Einen Fokus legt die Finma im diesjährigen Bericht auf langfristige Risiken im Zusammenhang mit der Verwendung grosser Datenmengen (Big Data) im Versicherungsbereich. Das berge zum einen zwar grosse Chancen und Hoffnungen. So könnten Versicherer etwa risikogerechtere Tarife oder besser auf die Kundenbedürfnisse zugeschnittene Produkte entwickeln.

Gleichzeitig bringe der Zugang zu grossen Datenmengen aber auch die Gefahr von "zunehmend gläsernen Versicherungskunden" mit sich. Durch das erleichterte Trennen der guten von schlechten Risiken könne es zu Diskriminierungen bestimmter Gruppen von Versicherungsnehmern oder zu einer "Entsolidarisierung" kommen. Zudem drohten Versicherungstarife auf Basis von "Big Data" so intransparent zu werden, dass die Produkte und deren Preise nicht mehr nachvollziehbar seien.