Gazenergie

Besser draussen als drinnen

Zürich, 02.06.2017

 

Enttäuschung, Wut, Trotz: Mit seiner Entscheidung für den Ausstieg aus dem Pariser Klimaschutzabkommen hat US-Präsident Donald Trump weltweit heftige Reaktionen ausgelöst. Doch viele Experten können der Entscheidung auch etwas Positives abgewinnen.

Für sie sind die von Trump geführten USA innerhalb des UNO-Klimaprozesses potenziell gefährlicher als ausserhalb. Der Ausstieg aus dem Pariser Abkommen könnte sich demnach als Segen entpuppen - und neue Allianzen für den Klimaschutz begünstigen.

"Ein Schurkenstaat USA kann innerhalb des Abkommens mehr Schaden anrichten als ausserhalb", argumentiert etwa Luke Kemp von der Australian National University.

Ähnlich sieht es Mohamed Adow von der Hilfsorganisation Christian Aid, die die Interessen ärmerer Länder bei den Klimaverhandlungen vertritt: "Besser, Trump ist ausserhalb des Abkommens, als dass er es von Innen aushöhlt. Mit Trump hätten wir sowie höchstens den Namen der USA unter dem Abkommen gehabt."

Denn ein so mächtiger Staat wie die USA könnte die internationalen Beratungen für eine Umsetzung des Pariser Klimaschutzabkommens bremsen oder gar sabotieren. Schliesslich müssen noch zahlreiche Fragen rund um die Ende 2015 erzielte Vereinbarung geklärt werden, unter anderem mit Blick auf die für 2018 erwartete erste gemeinsame Bilanz der Klimaschutzbemühungen oder was die Transparenz der Klimapolitik der einzelnen Länder angeht.

Fan konventioneller Energien

Eine weitere Beteiligung der USA unter Trump am Klimaprozess hätte nach Einschätzung von Experten ohnehin nicht dazu geführt, dass der zweitgrösste Produzent von Treibhausgasen seinen Ausstoss senkt. Denn der US-Präsident ist nicht nur ein Klimaskeptiker, sondern auch ein Erdöl- und Kohle-Fan.

Seit seinem Amtsantritt hat er schon eine Reihe von Schritten unternommen, um die Umweltschutzmassnahmen seines Vorgängers Barack Obama zu demontieren, unter anderem bei Regeln für Kohlekraftwerke oder dem Schadstoffausstoss von Autos - alles nach dem Motto "Jobs, Jobs, Jobs".

Doch diese Politik und der Ausstieg aus dem Klimaschutzabkommen könnte gerade den USA schaden. "Diese Entscheidung basiert auf dem wirtschaftlichen Denken des vergangenen Jahrhunderts und wird die USA in eine Volkswirtschaft des vergangenen Jahrhunderts verwandeln", sagt Andrew Steer vom Think-Tank World Resources Institute.

Schätzungen zufolge beschäftigte der Sektor der Erneuerbaren Energien 2016 in den USA rund 800'000 Menschen - fast fünfmal so viele wie der Kohle- und Erdölsektor. Hunderte Unternehmen haben den Präsidenten aufgerufen, auf eine klimafreundliche Wirtschaftspolitik zu setzen.

Neue Bündnisse

Auch auf diplomatischer Ebene steuert Trump die USA mit seinem Schritt weiter ins Abseits. Staats- und Regierungschefs erteilten dem Vorschlag des US-Präsidenten, das Abkommen neu zu verhandeln, umgehend klare Absagen. "Die USA können vorschlagen, was sie wollen: Kein Land wird sich mit ihnen an den Verhandlungstisch setzen", sagt der Klimaexperte Alden Meyer.

Vielmehr bahnen sich neue Bündnisse in der Klimapolitik an. So rücken die EU und China enger zusammen. "Wir erleben einen grundlegenden Wandel der Weltordnung, bei dem Europa, China und andere eine Führungsrolle einnehmen", sagt die Chefin der Umweltschutzorganisation Greenpeace, Jennifer Morgan.

"Die Europäische Union schliesst gerade die Reihen mit China, Kanada und den vom Klimawandel am meisten betroffenen Ländern", pflichtet Wendel Trio vom Climate Action Network Europe bei.

Doch natürlich wissen alle Experten, dass der Austritt der USA aus dem Klimaschutzabkommen auch gewaltige Gefahren birgt. So könnten andere Staaten dem Beispiel der USA folgen und einen Dominoeffekt auslösen.

Ausserdem gibt es grosse finanzielle Sorgen: Unter Obama waren die USA der grösste Geldgeber für den Grünen Klimafonds, der ärmeren Ländern beim Klimaschutz und bei der Anpassung an die Folgen des Klimawandels helfen soll. Der Ausstieg der USA aus dem Abkommen droht eine klaffende Lücke zu hinterlassen.