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"Baby Driver" mit Kevin Spacey: Packende Action, Musik und Romanze

Zürich, 20.07.2017

 

"Baby Driver" ist wohl die schrägste Mischung des Kinosommers: brutale Action im Stil von Quentin Tarantino, dazu perfekte Musik-Choreographie wie in "La La Land", und eine romantische Portion Gangsterliebe à la "Bonnie und Clyde". Kann das gut gehen?

Schon nach der Einstiegsszene ist die Antwort klar: "Baby Driver" läuft wie geschmiert. Baby sitzt am Steuer eines knallroten Fluchtwagens, aus den Kopfhörern dröhnt der Punk-Rock-Song "Bellbottoms". Die laute Musik übertönt die Schüsse der Bankräuber. Mit quietschenden Reifen gibt Baby Gas, perfekt auf den Beat zugeschnitten. Fünf Minuten lang klammert man am Sitz - und lässt zwei Stunden lang nicht mehr los.

Ansel Elgort, der Teenie-Schwarm aus dem Krebsdrama "The Fault in Our Stars" und der vernünftige Bruder von Heldin Tris in der Science-Fiction-Trilogie "Divergent", ist jetzt ein todesmutiger Fahrer. Sein Auftraggeber ist der Gangsterboss Doc, gespielt von Kevin Spacey. Der ist in "Baby Driver" genauso kaltblütig und bedrohlich wie sein US-Präsident Frank Underwood in der Erfolgsserie "House of Cards".

Mit Sonnenbrille, Kopfhörern und steinerner Miene ist Baby der ultracoole Fluchtfahrer, doch das ist nur die Fassade. Flashbacks führen zu einem traumatischen Autounfall in seiner Kindheit zurück. Seitdem leidet er an Tinnitus, das Klingeln im Ohr will er mit lauter Musik zum Schweigen bringen. Auch ist er das Gangsterleben längst satt. Er muss nur noch eine alte Schuld bei Doc begleichen, dann will er aussteigen.

Fieses Gangster-Rudel

Kein Wunder, wenn man sich die übrige Bande ansieht. "Mad Men"-Star Jon Hamm spielt den psychopathischen Buddy, die Mexikanerin Eiza González seine kaltblütige Flamme Darling, Jamie Foxx den schiesswütigen Bats.

Als Baby im Schnellimbiss auch noch seine grosse Liebe trifft - die Kellnerin Deborah, gespielt von Lily James - steht für beide fest: zusammen mit dem Auto gen Westen abhauen und nie mehr anhalten. Doch ein brenzliger Raubüberfall steht noch an.

Der Brite Edgar Wright hat sich die Story ausgedacht und inszeniert. 2004 drehte er mit Simon Pegg die romantische Zombie-Komödie "Shaun of the Dead" und geniesst seither in England Kultstatus. Es folgten der Cop-Thriller "Hot Fuzz" und das apokalyptische Endzeit-Spektakel "The World's End".

Ein einziger langer Video-Clip

"Baby Driver" ist quasi ein 113 Minuten langes Musikvideo. Jede Szene ist im Takt der Songs geschnitten. Elgort, der auch Ballett studiert hat, tänzelt geschmeidig durch die Strassen, wenn er nicht gerade Gas gibt und mit den Fingern auf dem Lenkrad trommelt. Die Playlist ist eine bunte Genre-Mischung: vom R&B-Hit "Easy" der Commodores, über den Latin-Song "Tequila" zu Jazz, Beach Boys, Queen und Barry White. Und dazu der titelgebende Song "Baby Driver" von Simon & Garfunkel.

Neben so viel Coolness und Styling hat "Baby Driver" auch noch Herz. Das zeigt sich vor allem, wenn Baby die alte Kassette mit den Liedern seiner verstorbenen Mutter hört. Oder wenn er sich um den alten, tauben Rollstuhlfahrer Joseph kümmert. Unter den Holzdielen in der gemeinsamen Wohnung versteckt Baby die gebündelten Geldscheine von seinen Raubzügen. "Du hast nichts in dieser kriminellen Welt zu suchen", fleht ihn der alte Mann in Gebärdensprache an. Am Ende wird er Recht behalten.

Verfasserin: Barbara Munker, dpa