Gazenergie

Anna Stern: "das alles hier, jetzt"

Zürich, 04.09.2020

 

Die 1990 geborene Anna Stern ist eine sehr produktive Autorin. Gut ein Jahr nach ihrem Roman "Wild wie die Wellen des Meeres" legt sie mit "das alles hier, jetzt" ein neues Buch vor.

Beide Bücher verbindet eine Melancholie, die im neuen Roman in eine abgrundtiefe Trauer umschlägt. Anlass dafür ist der frühe Tod von Ananke, der eine Schar von Freunden ebenso ratlos wie hilflos zurücklässt. Zusammen mit Cato, Eden, Vienna und wie sie heissen, droht die Erzählerin von diesem schicksalhaften Ereignis innerlich erdrückt zu werden.

Während 150 Tagen protokolliert sie, wie kaputt sie sich fühlt und eine Therapie beginnt, wie sich abkapselt und nur selten die Kraft findet, ihre Freunde zu suchen. Dieses Protokoll, jeweils linksseitig abgedruckt, wird begleitet von einem Strom von losen Erinnerungen an glückliche Tage der Kindheit und Jugend: immer wieder Baden im See oder Grillfeuer im Wald. Diese Erinnerungen stehen auf den Seiten gegenüber in grauer, sozusagen ausbleichender Schriftfarbe.

Anna Stern lässt ihre Erzählerin bohrend intensiv in diese Trauer eintauchen. Dafür wird die Aussenwelt gänzlich abgedunkelt. Das Ich spricht in Du-Form zu sich selbst, und die Freunde tragen Alias-Namen, die kaum Hinweise auf ihr Geschlecht oder ihre Rolle als Vater, Mutter, Freundin geben. Trauer wie Erinnerung bleiben wie in einem Kokon gefangen - bis, nach 150 Tagen, Vienna eine ebenso verrückte wie rettende Idee hat. Die Freunde werden aus ihrer Trauerstarre ausbrechen.